Alpine Kombination Damen und Herren

Mikaela Shiffrin gewinnt Gold in der Kombination – es ist ihr bereits sechster WM-Titel!
Marco Schwarz holt die dritte Goldmedaille für das österreichische Herren-Team

Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin wird ihrer Favoritenrolle gerecht und gewinnt die Alpine Kombination souverän vor Petra Vlhova (+0,86 Sekunden zurück) aus der Slowakei und Michelle Gisin (+0,89) aus der Schweiz. Für Shiffrin ist es nach Bronze im Super-G die zweite Medaille bei dieser WM, die neunte insgesamt und die bereits sechste Goldene.

Den Grundstein für diesen Erfolg legte Shiffrin schon am Vormittag mit einer sehr starken Vorstellung im Super-G, bei dem sie als Dritte mit nur sechs Hundertstelsekunden Rückstand auf die Schnellste, Federica Brignone aus Italien, ins Ziel kam. Nach neuer Regelung startete Brignone als Führende nach dem Super-G dann als erste Läuferin im Slalom und schied bereits am dritten Tor aus, als sie auf der sehr eisig präparierten Piste keinen Grip bekam und wegrutschte. Ebenso erging es Mitfavoritin Wendy Holdener. Damit war leider die Spannung aus diesem Wettbewerb relativ schnell draußen und das Rennen entschieden. Man sollte sich wirklich Gedanken darüber machen, ob die Gestaltung und Durchführung der Kombination in dieser Form sinnvoll ist. Auch die extrem eisige Präparierung der Piste fand ich für einen Kombinations-Slalom nicht angemessen. Wenn sich schon Technik-Spezialistinnen wie beispielsweise eine Wendy Holdener schwer tun, wie sollen denn dann die Speed-Spezialistinnen damit zurechtkommen, die generell ja kaum Slalom trainieren können und schon gar nicht auf so einer Eis-Piste…
Gut zurecht kam aber wieder einmal der Top-Star aus Amerika, Mikaela Shiffrin. Ohne Probleme und wie ich finde, nicht einmal mit hundertprozentigem Risiko, fuhr sie mit einer Leichtigkeit und Coolness ganz locker zu ihrer nächsten Goldmedaille. Ich bin gespannt, was sie uns in dieser Woche noch alles zeigen wird.


Bei den Herren lieferten sich die Top-Favoriten Alexis Pinturault und Marco Schwarz einen spannenden Zweikampf, den am Ende der Österreicher ganz knapp mit nur vier Hundertstelsekunden für sich entschied und damit der Skination Nummer eins die bereits dritte Goldmedaille bei dieser WM bescherte. Loïc Meillard aus der Schweiz hätte wahrscheinlich auch noch ein Wörtchen um Gold mitreden können, aber ein sehr schwerer Fehler im Slalom kostete ihn viel Zeit und so konnte er sich gerade noch Bronze sichern. Sein Teamkollege Luca Aerni hatte weniger Glück, er schied nach starker Fahrt leider an derselben Stelle aus, an der Meillard zuvor den Fehler gemacht hatte. Insgesamt fand ich es echt erstaunlich, wie stark sich die Technik-Spezialisten am Vormittag im Super-G präsentiert haben. Pinturault war natürlich nach seiner Bronzemedaille im Spezial-Super-G ohnehin stark einzuschätzen, aber auch Schwarz, Meillard und Aerni haben das richtig toll gemacht.

Sehr erfreulich aus deutscher Sicht war der Aufritt von Simon Jocher. Er ist ja eigentlich ein Speed-Spezialist und hat mit Rang neun im Super-G eine klasse Leistung gezeigt. Nachdem er kaum Slalom trainiert hat, konnte man nicht unbedingt erwarten, dass er doch recht ordentlich mithält und am Ende durfte er sich sogar über Rang fünf freuen. Super, Simon! Gratuliere!

Weiterhin auf die erste Medaille warten müssen die Gastgeber. Elena Curtoni wurde zwar heute Vierte, verpasste die Medaille mit knapp 1,5 Sekunden Rückstand auf Rang drei aber alles andere als knapp. Ich würde es den Italienern sehr wünschen, dass sie bald die erste Medaille bei ihrer Heim-WM gewinnen können. Ich selbst durfte mich bei meiner Heim-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen über zwei Bronzemedaillen freuen und es war wirklich wunderschön damals, vor heimischer Kulisse jubeln zu können.

Morgen um 14 Uhr geht es für Damen und Herren schon mit dem Parallel-Wettbewerb weiter. Ich freue mich und bin sehr gespannt, wer sich die nächsten Medaillen holen wird.

Einen schönen Abend und liebe Grüße,

Eure Maria

8 Kommentare

  1. Veröffentlich von Joachim Fischer am 15. Februar 2021 um 17:41

    Vielen Dank für Deine ausführliche Analyse . Da kann man sich schon ein gutes Bild machen , wenn man die Rennen nicht gesehen hat .
    Sehr interessant auch Deine fachkundige Aussage über die Pistenverhältnisse und die daraus resultierenden Nachteile für bestimmte Skifahrer .
    Das hat man als Zuschauer nicht immer auf dem Schirm .

  2. Veröffentlich von Maria am 15. Februar 2021 um 19:53

    Danke, Joachim! Freut mich, dass dir mein Blog gefällt.
    Liebe Grüße und schönen Abend, Maria

  3. Veröffentlich von Herbert am 16. Februar 2021 um 7:01

    Hallo Maria
    Erst einmal herzlichen Dank für deine coolen Kommentare. Es macht jeden Tag auf’s Neue Spaß diese zu lesen.
    Bin schon wieder mit einer Frage „lästig“.
    Ich hab mir gestern natürlich die Kombi angesehen und gewundert, wie unterschiedlich die Akteure mit der eisigen Slalompiste zu recht kamen. Während die einen riesen Probleme hatten, fuhren die anderen „wie auf Schienen“. Es sind doch alles MEGA Schifahrer(innen). Haben die einen wirklich das mehr an technischem können, sind es die Skier, die Kanten??
    Wünsche dir einen feinen Tag
    Liebe Grüße Herbert

    • Veröffentlich von Maria am 16. Februar 2021 um 9:10

      Hallo Herbert!
      Ich hatte in meinem Beitrag ja schon erwähnt, dass die Piste sehr eisig präpariert war. Es wurde mit Wasser gearbeitet und durch die extreme Kälte wurde es dann noch eisiger, als eigentlich beabsichtigt. Grundsätzlich macht die Präparierung mit Wasser schon Sinn, da die Piste dann einfach besser hält und auch spätere Nummern noch schnelle Zeiten fahren können. In den Spezial-Slaloms (auch im Weltcup) wird das oft so gemacht, da ist natürlich auch die Dichte und das allgemeine Können deutlich höher, als in so einem Kombi-Slalom. Im Training findet man selten solche Bedingungen vor, weil die Präparierung mit dem Wasser sehr viel Aufwand bedeutet. Ein ganzes Team an Leuten muss am Tag zuvor mit einem sogenannten Wasserbalken die ganze Piste „einspritzen“, was für einen Trainingstag für ein einziges Team mit meistens ja nur wenigen Athleten eigentlich keinen Sinn macht. Somit wird auf solchen Bedingungen eben nur sehr selten trainiert und dementsprechend haben viele dann nicht die beste Materialabstimmung auf dem Eis. Es ist nämlich nicht damit getan, die Kanten einfach schärfer zu feilen. Die komplette Abstimmung ist ganz anders, als bei aggressivem Schnee. Angefangen beim Skischuh müssen alle Kantwinkel anders eingestellt sein, evtl. fährt man auch mit einem härteren Plastik und bei Ski braucht man oft sogar ein anderes Modell, welches durch einen härteren Kern mehr Stabilität und Grip auf dem Eis gibt. Ein wirklich sehr komplexes Thema, was schon für Spezialistinnen eine große Herausforderung darstellt und für die Leute, die eher Speed-Disziplinen und kaum Slalom fahren ist es quasi ein Ding der Unmöglichkeit. Ich finde, sowohl bei den Damen als auch bei den Herren waren es gestern nur sehr wenige Läufer*innen, die wirklich problemlos runtergekommen sind und das waren dann einfach die absoluten Top-Leute aus dem Slalom. Schade für so einen WM-Wettbewerb!
      Viele Grüße, Maria

      • Veröffentlich von Herbert am 16. Februar 2021 um 10:11

        Vielen lieben Dank für die tolle Antwort
        LG

  4. Veröffentlich von Arno Dott am 16. Februar 2021 um 8:51

    Hallo Maria
    Du hattest in deinem Kommentar zur Kombi leise Kritik am Wettbewerb geübt. Der Wettbewerb steht ja auch bei der FIS
    “ auf der Kippe“. Bist du generell für die Abschaffung des Wettbewerbs ( du hattest ja Riesenerfolge gefeiert), oder wäre er in einer abgewandelten Form immer noch interessant?
    Ich finde den Wettbewerb immer noch interessant, da die Allrounder ( so viele gibts ja nicht mehr) eine gute Chance haben,
    Medaillen oder WC Punkte zu ergattern.
    Liebe Grüsse
    Arno

    • Veröffentlich von Maria am 16. Februar 2021 um 9:20

      Hallo Arno!
      Du weißt ja, wie sehr ich die Kombi geliebt habe. Über meine ganze Karriere waren immer Abfahrt und Slalom meine besten Disziplinen und auch die Disziplinen, in denen ich die meisten Erfolge und Medaillen geholt habe. Daher bin ich natürlich gegen eine Abschaffung der Kombi. Ich finde auch, dass man in der Kombi immer die komplettesten Skifahrer sieht. Klar ist die Dichte in dieser Disziplin nicht ganz so hoch, weil es eben nicht so wahnsinnig viele Läufer*innen gibt, die beides gut können. Das war zu meiner Zeit schon der Fall und ist auch heute noch so. Dennoch finde ich, dass es damals wie heute einige Athleten gibt, die es wirklich spannend machen können. Jedenfalls war die Kombi schon immer eher „technik-lastig“, weil sich ein Slalom-Läufer auf einer nicht übermäßig schwierigen Speed-Strecke immer leichter tut, den Rückstand in Grenzen zu halten; und derzeit fahren ja viele der Techniker*innen ohnehin auch im Speed-Bereich vorne mit. Aber man sollte einfach schauen, dass die Slaloms bei den Kombinationen nicht zu schwierig sind, sowohl vom Gelände her, als auch von der Art der Präparierung. Dann denke ich, können wir auch wieder spannendere Wettbewerbe in dieser Disziplin sehen.
      Viele Grüße, Maria

  5. Veröffentlich von Arno Dott am 16. Februar 2021 um 10:50

    Hallo Maria
    Vielen Dank für deine ausführliche Meinung, die man dann wohl ungekürzt der FIS übermitteln sollte…. kleiner Scherz…

    Viele Grüsse
    Arno

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